Gruppe: Infanterie-Regiment No.12 "Erbprinz von Hessen-Darmstadt"

Darstellungsgruppe Infanterie-Regiment No. 12 "Erbprinz von Hessen-Darmstadt"

Das preußische Infanterie-Regiment No.12

Zeitgenössische Darstellung eines Grenadiers des IR 12

Das Regiment No.12 gehört zu den alten preußischen Traditions- und Fürstenregimentern. Es wurde 1685 für den Markgrafen Philipp von Brandenburg-Schwedt aufgestellt mit der Garnison in Prenzlau. Nach dem Tode des Markgrafen ging das Regiment an dessen Sohn über, der jedoch im Jahre 1712 erst 3 Jahre alt gewesen war. Zudem entwickelte er sich zu einem recht problematischen Charakter, König Friedrich Wilhelm I. war über seine „lotterhafte Regimentsführung“ so verärgert, dass er ihn 1733 in Haft nehmen ließ. Friedrich der Große entzog ihm strafweise 1741 das Kommando des Regiments (er bekam nun das Kommando über das neue Füselier-Regiment No.42). Damit endete auch der fast 55 Jahre dauernde Status des Regiments als eines der Hausregimenter des Hauses Brandenburg.

1743 wurde das Regiment dem Erbprinzen Ludwig von Hessen Darmstadt übertragen, dem späteren Landgrafen Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt, der zu jener Zeit in preußische Dienste trat – obwohl die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, im Gegensatz zu Hessen-Kassel auf Seiten Maria Theresias stand. 1757 musste er, wie auch seine Brüder, auf Druck seines Vaters, dem Landgrafen Ludwig VIII., den preußischen Dienste verlassen und somit auch das Kommando über dieses Regiment zurückgeben. Die Landgrafschaft war auch im Siebenjährigen Krieg den alten Bündnissen mit Frankreich und Österreich treu geblieben und ein Dienst in der preußischen Armee hätte das Bündnis belastet.

Das Regiment gehörte stets zum festen Kern der preußischen Feldarmeen und war an vielen der berühmten Schlachten Friedrich des Großen beteiligt: Mollwitz (1741), Hohenfriedberg (1745) und Kesseldorf (1745).

Im Siebenjährigen Krieg und danach

Das Regiment stand nun unter dem Kommando von Friedrich August von Finck (1718-1766). 1759 erlitt es bei der Schlacht von Kunersdorf schwerste Verluste und wenig später bei Maxen, nur noch in der Stärke eines Bataillons einsatzbereit, geriet das Regiment vollständig in Kriegsgefangenschaft. Finck fiel daraufhin in Ungnade und wurde seines Kommandos enthoben. Demonstrativ übertrug Friedrich der Große das Kommando dem Aufsteiger Johann Jacob Wunsch (1717-1788) einem Handwerkersohn aus Ulm, der zum General aufgestiegen war – eine Demütigung, wusste man doch, dass der König unadelige Offiziere nicht respektierte. Man hatte das Regiment nach der vernichtenden Niederlage mühsam erneut aufgestellt, so dass es ab 1761 wieder eingesetzt wurde.

1778 / 1779 während des Bayerischen Erbfolgekrieges gehörte das Regiment No.12 zur Armee des Prinzen Heinrich.

Zum Ende des 4. Koalitionskrieges, wurde das Regiment am 7.November 1806, ein Tag nach der Schlacht von Lübeck, aufgelöst. Das III. Bataillon kapitulierte in Stettin.

Landgraf Ludwig IX. und das Hessen-Darmstädtisches Leibgrenadiergarde-Regiment

Das Leibgrenadiergarderegiment Pirmasens war bis auf die Heraldik uniformgleich mit dem preußischen Regiment "Erbprinz von Hessen-Darmstadt", das die Regimentsnummer 12 trug. (Foto: Kersten Kircher)

Im Jahre 1741 begann der hessen-darmstädtische Erbprinz und spätere Landgraf Ludwig IX. (1769 - 1790) mit der Errichtung des Leibgrenadiergarde-Regiments. Garnison für das schließlich auf ca. 2400 Mann angewachsene Regiment war Pirmasens. Nach mehreren anfänglichen Uniformwechseln erhielt die Truppe 1752 ihre bekannte Uniform, die sie bis zu ihrer Auflösung 1790 behielt. Parallel dazu nahm der Erbprinz preußische Dienste und erhielt von Friedrich dem Großen das Infanterie-Regiment No. 12 mit Garnison in Prenzlau, das er von 1743 - 1757 kommandierte und das an vielen wichtigen Schlachten des Siebenjährigen Krieges teilnahm. Dort führte er im Jahre 1752 die gleiche Uniform wie bei seinem hessischen Regiment ein, die er höchstselbst "interveniret" und die in ihrer Zeit Ausdruck höchster modischer Eleganz war. Sie wurde in Preußen bis 1786 unverändert getragen und unterschied sich nur durch landeshoheitliche Spezifika von ihrem hessen-darmstädtischen Pendant.

Hessisches Militär in Pirmasens

Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt

Ludwig IX., der erstmalig in der Geschichte große Uniformsammlungen zu Studienzwecken anlegen ließ und systematische Uniformierungsstudien betrieb bzw. betreiben ließ, darf getrost als Ahnherr der Heeres- und Uniformkundler bezeichnet werden, zählen doch die heute noch vor-handenen, allerdings kläglichen Reste seiner Sammlung wie das Buchsweiler Inventar zu den uniformkundlichen Primärquellen. Seine eigene militärische Karriere, während der er aktiv in französischen und preußischen, später nominell in österreichischen und russischen Diensten, stand, ist von eher geringem Interesse.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts war das Militär als stehendes Heer organisiert und stand damit in Kriegs- und Friedenszeiten dem absolutistischen Herrscher jederzeit als Mittel zur Machtausübung und Repräsentation zur Verfügung. Wie bei den meisten Staaten des Ançien Regime bestand auch das hessen-darmstädtische Heer in der Masse aus geworbenen Söldnern. Aus ihnen rekrutierten sich die Linientruppen, von de-nen es gegen Ende der Regierungszeit Ludwigs IX vier Infanterie-Regimenter mit zusammen sechs Bataillonen gab, die Hälfte davon in Pirmasens stationiert („Leibgrenadiergarde-Regiment“ und ab 1777 das Regiment „Landgraf“).

Daneben gab es noch ein Milizsystem zur Landesverteidigung, bestehend aus vier sogenannten Landbataillonen und dem „Alten Ausschuß“, das als Vorstufe der heutigen Wehrpflicht gelten kann. Da sich der Landgraf nur für die Infanterie inte-ressierte, gab es während seiner Regierungszeit außer einigen kleinen, zahlenmäßig unbedeutenden Reiter-Einheiten, darunter das Pirmasenser Leibhusarenkorps, keine Kavallerie. Er ließ ab 1741 in Pirmasens eine militärische Musterkolonie einrichten, die jedoch für die Betroffenen eher einem Gefangenenlager glich. Tag und Nacht bewacht, gelang trotzdem vielen die Flucht. Der eintönige Dienst bestand aus Exerzieren, Paradieren und Wachestehen und war in Reglements wie der „Pirmasenser Grenadier-Bibel“ von 1749 genauestens vorgeschrieben. Einen Teil der Dienstvorschriften und insbesondere die Uniformen, die als die schönsten ihrer Zeit galten, hatte der Landgraf selbst entworfen.

Das Leibgarde-Grenadier Regiment Pirmasens

Die Pirmasenser Soldaten, rund 1600 Mann, fanden ebenso wie die übrigen hessen-darmstädtischen Truppen zu Zeiten Ludwigs IX. keinen militärischen Einsatz. Sie dienten als reine Paradetruppe, die sich auch bei den zahlreichen Besuchern aus dem Ausland höchster Wertschätzung erfreute. Anders als die Vettern in Hessen-Kassel und anderen deutschen Staaten lehnte der Landgraf als friedensliebender Heereskundler trotz seiner Geldnot das Ansinnen engli-scher Werber für einen Einsatz im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1777-1784) katego-risch ab und schloß auch sonst keinerlei Subsidienverträge mit anderen Mächten - ganz im Gegensatz zu seinen Vorgängern und auch zu seinem Nachfolger, Landgraf Ludwig X.

Ende nach dem Tod des Landgrafen

Mit dem Tode des Landgrafen 1790 waren auch die Tage der Pirmasenser Garnison gezählt, noch im selben Jahr wurde das Regiment „Landgraf“ ebenso wie alle noch verbliebenen Heeresgerätschaften nach Darmstadt verlegt. Die teilweise überalterten Grenadiere des „Leibgrenadier-garde-Regiments“ wurden größten Teils entlassen und aus dem Rest das „Hessen-Hanau-Lichtenbergische Grenadier-Bataillon“ zu 400 Mann formiert, das 1792 als „2. Leib-Grenadier-Bataillon“ ebenfalls nach Darmstadt abgezogen wurde.[

Die Uniform

Zeitgenössische Darstellung der Uniformierung des IR 12

Der blaue Regimentsrock hatte rote, runde Ärmelaufschläge, rote Klappen, Kragen und einen Achseldragoner. Das Futter der Röcke bestand aus stumpfrotem Boy, einem groben, sackleinenartigen Gewebe. Als Besätze trugen die Gemeinen weiße, spitz zulaufende Bortenschleifen mit Puschelquasten, die paarweise auf den Rabatten angeordnet waren. Zwei weitere unter den Klappen, Zwei hinten und auf den Patten der Ärmelaufschläge. Die Knopffarbe wird mit „gelb“ angegeben, damit ist Messing gemeint, die Unterkleider, Kniehose und Weste waren paillefarben. Die Halsbinden der Mannschaften waren, wie bei allen alten Traditionsregimentern, rot, bei den Offizieren weiß.

Unteroffiziere trugen die gleiche Uniform, jedoch waren die Bortenschleifen und Puschel in gold. Die Mütze der Grenadiere war blaurot, Goldmessingbeschlag mit einem schwarzen Adler und rot-blauem Puschel. Zudem hatten die Grenadiermützen die Borten am Mützensack durch echte Metallspangen ersetzt. Bei der hessischen Variante waren Mützenblech und das Blech der Patronentasche mit den hessischen Hoheitszeichen versehen.

Rekonstruiertes Blech der Patronentasche mit den Hessischen Hoheitszeichen
Offizier des preußischen Regiments Erbprinz von Hessen-Darmstadt. (Menzel, Adolph von, "Die Armee Friedrich's des Großen"

Die Offiziere trugen einen Rock mit 30 goldenen Stickereischleifen, die in Form, Größe und Gestaltung den Stickereischleifen des Regiments No.5 (Herzog von Braunschweig) nahezu 1:1 ähneln. Offiziere des Hessischen Regiments unterschieden sich nur durch die getragen Feldzeichen: der Ringkragen zeigte statt preussischer Hoheitszeichen Hessische, und Portepée und Feldbinde (in Preußen in silber und schwarz gehalten) wurden in Hessen mit den Farben silber, rot und blau getragen.

Rekonstruierte Stickereischleife nach dem Tressenmusterbuch im DHM

Die Regimentsfahne des preußischen Regiments war hellgrün mit weißen Strahlen, die hessische Fahne zeigte entsprechend den bunten Löwen mit roten Strahlen.

Preußische Regimentsfahne des IR 12

"Bei kaltem oder sehr regnichtem Wetter sollen die Röcke zugemachet, und die Gehencke über den Rock gespannet werden"
(Reglement vor Die Königl. Preußische Infanterie 1743 S.647)

Regimentsrock mit geschlossenen Klappen

Gruppenleiter

Michael Lorenz

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